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Zeitgeschichte muß nicht das sein, was man
gewöhnlich unter Aneinanderreihung von Geschehnissen versteht, tradiert und
verarbeitet - und - der Historikerstreit bewies es hinlänglich -
gesinnungsethisch verfälscht. Die Geschichte einer Zeit - so darf man hier
interpretieren - schreibt sich selbstredend auch autonom, nicht gebieterisch,
nicht von außen gelenkt, beeinflußt und manipulatorisch in Kategorien gestampft,
sondern sich in biederer Geisteshaltung manifestierend. In diesem Sinne Zeit und
Geschichte zu erfahren, sie reflektorisch in sich reifen zu lassen, um sie zu
verstehen, hat der Autor das
'unsichtbare' Innsbruck in glücklicher literarischer Überhöhung sichtbar werden
lassen. Dem Leser, und hier sind jene angesprochen, die keine nackte
Buchstabeninformation suchen, öffnen sich Schranken, die er hier oder dort nie
vermutet hätte und die ihm Ein- und Ausblicke gewähren, deren morbide Schönheit
(jüdischer Friedhof) oder dessen Synonymität für Glattfassadigkeit (ehemaliger,
jetzt wohnbebauter Landeshauptschießstand) zum Nachdenken darüber anregt, ob
sich nicht doch Innen- und Außenwelt des Dargestellten voneinander unterscheiden
und Einflüsse dort unsichtbar bleiben, wo sie schlicht und einfach verdrängt
werden. So gesehen weist Unsichtbares Innsbruck ein Janusgesicht auf -
unverschuldet, doch Zeitläufte nolens volens entlarvend. Der Leser wird es Moser danken wollen, denn eines steht fest: daß Rationalität nicht Emotionalität
ersetzen darf dort, wo Menschen lebten, leben und leben werden. Und so führt
der Autor durch eben jene Gefühlswelt, die sich dem Betrachter erst dann zu
erschließen vermag, wenn er sich von der Idee befreit, daß alles, was er
erblickt, die Wahrheit der Außenwelt und ihr Innerstes unerschließbar sei.
Dem ist gewiß nicht so, und wer Augen hat, der lese und erlebe in diesem Buch
die Bilder der Innenwelt und werde sehend, damit er hernach Außenwelten als das
entziffert, was sie sind: als pure Nacktheit von Fassaden, ungeschriebene Ists,
unzitierbare Seins. Zur Ansicht und zitierbar werden sie erst, wenn sich ihre
Geschichte erschließt. Dabei behilflich zu sein war Anliegen Gerhard Mosers. Es ist ihm wahrhaft gelungen!
ÉDITIONS
FOULLAND, 2005, ISBN 3-200-00404-5, 12,50 Euro (Kart.)
Der
Verlag:
www.wer-ist-monsieur-fou.com in Innsbruck
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